Taktik erklärt

Abkippen im Fußball: der abkippende Sechser im Spielaufbau

Aktualisiert

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Abkippen lässt sich der Sechser im Spielaufbau zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen.
  • Gegen zwei anlaufende Stürmer entsteht so ein 3 gegen 2 in der ersten Linie.
  • Abkippen wirkt nur, wenn die Innenverteidiger breit schieben und die Außenverteidiger hoch rücken.
  • Gezielt trainierst du das Abkippen ab der B-Jugend, vorher reichen Anbieten, Breite und Dreiecke.

Abkippen heißt, dass sich ein Mittelfeldspieler im Spielaufbau in die erste Linie fallen lässt, meist der Sechser zwischen die beiden Innenverteidiger. Aus der Viererkette wird so eine Dreierreihe. Gegen zwei anlaufende Stürmer hat sie immer einen freien Spieler, und die Außenverteidiger können hoch rücken.

Was ist Abkippen?

Abkippen ist eine Bewegung im eigenen Ballbesitz. Der Sechser lässt sich aus dem Mittelfeld nach hinten fallen, sobald die Mannschaft von hinten aufbaut. Die Innenverteidiger schieben dafür breiter auseinander, die Außenverteidiger rücken nach vorn. So entsteht aus der Viererkette ein Dreieraufbau.

Sechser kippt abIV breitAV hoch
Aus der Viererkette wird ein Dreieraufbau. Der Sechser kippt ab, die Innenverteidiger schieben breit, die Außenverteidiger rücken hoch.

Meist ist der Dreieraufbau nur vorübergehend. Hat die Mannschaft die erste Pressinglinie überspielt, rückt der Sechser wieder ins Mittelfeld. Vom Einrücken unterscheidet sich das Abkippen durch die Richtung. Beim Einrücken zieht ein Außenverteidiger nach innen ins Mittelfeld, beim Abkippen geht ein Mittelfeldspieler nach hinten.

Auch Stürmer und Flügelspieler kippen ab, wenn sie sich ins Mittelfeld fallen lassen, um Bälle abzuholen. Das ist dieselbe Bewegung eine Linie weiter vorn. In diesem Artikel geht es um das Abkippen in die Aufbaulinie.

Warum Abkippen im Spielaufbau hilft

Abkippen hilft, weil deine Mannschaft so gegen anlaufende Stürmer kontrolliert von hinten herausspielen kann, statt den Ball lang zu schlagen.

Überzahl gegen zwei Anläufer

Laufen zwei Stürmer die beiden Innenverteidiger an, steht es hinten 2 gegen 2. Jeder Pass zwischen den Innenverteidigern führt dann direkt in den nächsten Zweikampf. Mit dem abgekippten Sechser sind es drei gegen zwei. Einer der drei ist immer frei und kann den Ball in Ruhe nach vorn bringen.

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Beide Stürmer laufen an, einer der drei bleibt frei. Hier bekommt der linke Innenverteidiger den Pass.

Das gilt auch, wenn ein Stürmer und ein Zehner dahinter anlaufen. Entscheidend ist die Zahl der Gegenspieler, die auf die erste Linie gehen.

Breite für Innen- und Außenverteidiger

Weil der Sechser hinten die Mitte besetzt, können die Innenverteidiger weit auseinander stehen. Sie bekommen den Ball dann auf Höhe des Halbraums und haben Platz zum Andribbeln. Die Außenverteidiger müssen nicht mehr tief neben der Kette helfen. Sie rücken hoch, geben Breite und binden die gegnerischen Flügelspieler.

Ein spielstarker Spieler mit Zeit am Ball

Gegnerische Mittelfeldspieler gehen ungern so weit mit nach hinten. Der abgekippte Sechser hat deshalb oft Zeit und sieht das ganze Feld vor sich. Er lenkt das Spiel von hinten, statt mit dem Rücken zum Tor angespielt zu werden. Hast du einen Sechser mit gutem Passspiel, bekommt er so mehr Ballkontakte im Aufbau.

Zentral oder seitlich

Der Sechser kann zwischen die Innenverteidiger kippen oder seitlich neben einen von ihnen auf die Halbposition. Zentral bleibt der Aufbau symmetrisch, und hinter dem Ball steht immer jemand in der Mitte. Das sichert bei Ballverlust den kürzesten Weg zum eigenen Tor. Seitlich hat der Sechser Verbindung nach innen und nach außen. Dann rückt oft nur ein Außenverteidiger hoch, und am Flügel entsteht Überzahl.

zentral seitlich
Links kippt der Sechser zentral zwischen die Innenverteidiger ab, rechts seitlich neben den linken Innenverteidiger.

Im Spiel: so nicht, so geht's

Dieselbe Lage gegen zwei Stürmer zeigt, dass Abkippen nur wirkt, wenn die Mitspieler mitziehen.

SO NICHTSpielrichtungMitte leeralle auf einer HöheBall wegTWAVIV6IVAV88
Der Sechser kippt ab, aber Innen- und Außenverteidiger bleiben stehen. Alle stehen auf einer Höhe, die Mitte ist leer, und der Pass zum tiefen Außenverteidiger wird zugestellt.
SO GEHT'SSpielrichtung3 gegen 2freiTWAVIV6IVAV88
Der Sechser kippt ab, die Innenverteidiger schieben breit, die Außenverteidiger rücken hoch. Ein Innenverteidiger ist frei und spielt den hohen Außenverteidiger an.

Die Situation lesen

Situation. Der Torwart oder ein Innenverteidiger hat den Ball, beide Stürmer des Gegners gehen auf die Innenverteidiger.

Signal. Hinten steht es 2 gegen 2, und kein gegnerischer Mittelfeldspieler geht mit dem Sechser mit.

Aktion. Der Sechser kippt zwischen die Innenverteidiger ab. Die schieben breit, die Außenverteidiger rücken hoch, und der freie Spieler der Dreierreihe bekommt den Ball.

Anschluss. Der freie Spieler dribbelt an oder spielt den hohen Außenverteidiger an. Ein Achter füllt die Mitte, die der Sechser verlassen hat.

Die Gegenseite: Abkippen verteidigen und absichern

Gegen einen abkippenden Sechser stellst du die Gleichzahl wieder her, indem ein Mittelfeldspieler mit ihm geht. Oft reicht es auch, wenn ein Stürmer den Sechser lose im Deckungsschatten hält. Eine andere Lösung ist, die erste Linie gewähren zu lassen und das Zentrum dicht zu halten. Dann spielt die Dreierreihe vor deinem Block quer, ohne Raum zu gewinnen. Gehst du ins Pressing, läuft ein Flügelspieler den äußeren Spieler der Dreierreihe an. So erzwingst du Querpässe, auf die deine Mannschaft nachschieben kann.

Für die eigene Mannschaft hat das Abkippen einen Preis. Im Mittelfeld fehlt ein Spieler, und die Außenverteidiger stehen weit vorn. Verlierst du den Ball, kann der Gegner vor deinem Strafraum Überzahl haben. Deshalb füllt ein Achter die Mitte, und die Dreierreihe bleibt als Restverteidigung hinter dem Ball.

Abkippen ist auch nicht immer nötig. Läuft der Gegner nur mit einem Spieler an oder steht er tief, haben die Innenverteidiger schon Überzahl. Der Sechser fehlt dann ohne Grund in der Mitte. Wer in jeder Szene gleich abkippt, wird außerdem berechenbar.

So coachst du das Abkippen

Beim Abkippen coachst du vor allem das Timing des Sechsers und das Mitziehen der anderen.

Schulterblick. Vor dem Abkippen schaut der Sechser, wie viele Gegner anlaufen und ob ein Mittelfeldspieler ihm folgt. Laufen zwei an und niemand geht mit, kippt er ab.

Breite geben. Sobald der Sechser abkippt, schieben die Innenverteidiger breit und die Außenverteidiger rücken hoch. Bleiben sie stehen, stehen fünf Spieler auf einer Höhe, und vorne fehlt die Anspielstation.

Offene Stellung. Sechser und Innenverteidiger nehmen den Ball mit Blick nach vorn an. Ist vorne ein Mitspieler frei, gilt Tiefe vor Breite.

Abkippen nach Altersklasse

Gezielt trainierst du das Abkippen ab der B-Jugend, wenn Aufbau gegen Pressing auf dem Plan steht. In der G- bis E-Jugend ist es kein Thema, dort reichen Anbieten, Breite geben und Dreiecke. In der D-Jugend lernen die Kinder den Spielaufbau mit Torwart und Überzahl. Dass sich ein Mittelfeldspieler zum Helfen fallen lässt, ergibt sich dabei oft von selbst.

In der C-Jugend kannst du das Abkippen als festen Ablauf ohne Gegner einführen, etwa nach dem Abstoß. Ab der B-Jugend kommt der Gegner dazu, und das Signal sind zwei Stürmer, die auf die Innenverteidiger gehen. In der A-Jugend und bei den Senioren geht es um Varianten, Timing und die Absicherung dahinter. Im Breitensport reicht eine klare Regel, wann der Sechser abkippt. Passende Übungen findest du direkt unter dem Artikel.

Häufige Fragen

Was ist ein abkippender Sechser?

Ein Sechser, der sich im Spielaufbau zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen lässt. Er macht aus der Viererkette einen Dreieraufbau und schafft gegen zwei Anläufer Überzahl in der ersten Linie.

Wann sollte der Sechser abkippen?

Vor allem dann, wenn zwei Gegenspieler die Innenverteidiger anlaufen und keiner dem Sechser folgt. Läuft nur einer an oder steht der Gegner tief, bleibt der Sechser besser im Zentrum.

Ist Abkippen dasselbe wie eine Dreierkette?

Nicht ganz. Eine Dreierkette spielt mit drei Innenverteidigern als Grundordnung. Beim Abkippen entsteht die Dreierreihe nur im Ballbesitz, gegen den Ball verteidigt die Mannschaft weiter mit Viererkette.

Wie trainiert man das Abkippen?

Zuerst als festen Passablauf ohne Gegner, dann im Aufbau gegen zwei Anläufer. Zum Schluss folgt eine Spielform, in der die Mannschaft selbst entscheidet, wann der Sechser abkippt.

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