Taktik erklärt
Restverteidigung im Fußball: wer absichert und wie
Das Wichtigste in Kürze
- Restverteidigung sind die Spieler, die bei eigenem Ballbesitz hinter dem Ball bleiben und Konter abfangen.
- Als Grundregel steht hinten einer mehr, als der Gegner an Konterspielern vorne lässt.
- Die Absicherer stehen in zwei versetzten Linien, nicht nebeneinander auf einer Höhe.
- Ohne sofortiges Gegenpressing vorne hält auch die beste Restverteidigung nicht lange.
Restverteidigung sind die Spieler, die bei eigenem Ballbesitz hinter dem Ball bleiben. Sie fangen nach einem Ballverlust den Konter ab, bevor er gefährlich wird. Gute Mannschaften stellen sie auf, solange sie den Ball noch haben, und nicht erst, wenn er weg ist.
Was ist Restverteidigung?
Trainer geben die Restverteidigung meist als Zahl an. 3+2 heißt, drei Spieler stehen in der hinteren Linie und zwei davor. Hinten sind das oft die Innenverteidiger und ein Außenverteidiger, davor Sechser oder Achter. Die anderen fünf greifen an.
Konterabsicherung meint dasselbe. Das Wort betont eher die Aufgabe, Restverteidigung eher die Spieler, die sie übernehmen. Das englische „rest defence“ ist eine direkte Übersetzung des deutschen Begriffs.
Vom Gegenpressing unterscheidet sich die Restverteidigung durch den Ort. Gegenpressing passiert direkt am Ball, durch die Spieler, die eben noch angegriffen haben. Die Restverteidigung steht dahinter und fängt ab, was durchkommt. Wer erst nach dem Ballverlust hinter den Ball sprintet, reagiert nur. Die Restverteidigung ist die Vorbereitung davor.
Worauf es bei der Restverteidigung ankommt
Einer mehr als die Konterspieler
Die gängigste Regel heißt Gegenspieler plus eins. Lässt der Gegner zwei Stürmer vorne, sichern hinten drei ab. Zwei stehen torseitig an den Stürmern, also zwischen Stürmer und eigenem Tor. Der dritte ist frei und deckt den Raum hinter ihnen.
Bei Gleichzahl bleibt kein Spielraum für Fehler. Verliert ein Verteidiger sein Duell, hat der Gegner sofort Überzahl vor deinem Tor. Die Überzahl hinten hat allerdings einen Preis, denn vorne greift ein Spieler weniger an.
Zwei Linien statt einer
Die Restverteidigung steht in zwei Linien. Die hintere sichert den Raum hinter der Kette und verteidigt lange Bälle. Die vordere steht nah hinter dem eigenen Angriff und hat sofort Zugriff, wenn der Ball verloren geht. Sie sammelt auch die zweiten Bälle ein.
Die vorderen Spieler stehen versetzt in den Lücken der hinteren. Dann überspielt ein einzelner Pass nie beide Linien zugleich. Stehen alle Absicherer nebeneinander, reicht ein Ball in die Lücke.
Höhe und Abstände
Die hintere Linie steht oft nahe der Mittellinie. In seiner eigenen Hälfte kann der gegnerische Stürmer nicht im Abseits stehen, deshalb lauert er meist kurz davor. Deine Absicherer bleiben torseitig von ihm.
Je höher die Linie, desto kompakter ist deine Mannschaft. Gleichzeitig liegt mehr Raum hinter der Kette. Wie hoch es geht, hängt vom Tempo deiner Verteidiger im Vergleich zu den gegnerischen Stürmern ab.
Bei den Abständen gilt eng genug für schnellen Zugriff, weit genug für das eigene Passspiel. Die Restverteidiger sind auch Anspielstationen für Rückpass und Verlagerung. Den Flügel lassen sie meist frei. Die meisten Konter laufen durch Zentrum und Halbräume, weil der Weg zum Tor dort kürzer ist.
Restverteidigung und Gegenpressing gehören zusammen
Die Überzahl hinten hält nur, wenn vorne sofort Druck auf den Ball kommt. Sonst rückt der Gegner mit mehr Spielern nach, und aus drei gegen zwei wird schnell drei gegen drei. Deshalb gehen nach dem Ballverlust die zwei Nächsten direkt drauf. Ein Spieler aus der vorderen Linie der Absicherung stellt den Passweg zum Stürmer zu.
Je mehr Spieler in der vorderen Linie stehen, desto mehr Zugriff hat dein Gegenpressing. Je mehr hinten stehen, desto sicherer verteidigst du lange Bälle. Diese Abwägung triffst du für deine Mannschaft und für jeden Gegner neu.
Im Spiel: so nicht, so geht's
Dieselbe Szene zweimal. Der Flügelspieler verliert links vorne den Ball, der Gegner will sofort lang auf seine Stürmer spielen.
Die Situation lesen
Situation. Deine Mannschaft greift über links an, der Gegner lässt zwei Stürmer an der Mittellinie stehen.
Signal. Der Ball geht auf den Flügel, und der ballferne Außenverteidiger will mit aufrücken.
Aktion. Er bleibt hinten und rückt ein. Mit den Innenverteidigern bildet er die hintere Linie, Sechser und Achter stehen versetzt davor.
Anschluss. Geht der Ball verloren, gehen die Nächsten ins Gegenpressing. Kommt der lange Ball trotzdem, rückt der ballnahe Absicherer heraus, und der freie sichert hinter ihm ab.
Die Gegenseite: gegen eine Restverteidigung kontern
Wer gegen eine gute Restverteidigung kontert, braucht vor allem einen schnellen ersten Pass. Er muss kommen, bevor das Gegenpressing greift. Zwei Stürmer, die vorne bleiben, binden zwei Absicherer. Startet ein dritter Spieler aus dem Mittelfeld nach, kippt die Überzahl.
Gegen eine Dreierlinie hilft es, mit zwei Angreifern auf den mittleren Spieler zuzulaufen. Dann muss er sich für einen entscheiden. Gefährlich wird es auch, wenn sich ein Gegenspieler schon während des Angriffs unbemerkt in den Rücken der Absicherer schleicht.
Deine Restverteidigung passt sich deshalb an. Zwei Stürmer vorne heißt drei Absicherer, drei Stürmer vorne heißt vier. Einen besonders schnellen Konterspieler begleitet ein Absicherer schon während des eigenen Angriffs eng. Führst du kurz vor Schluss, lässt du eher einen Spieler mehr hinten. Umgekehrt gilt, dass jeder Konterspieler, den der Gegner vorne lässt, ihm hinten fehlt.
So coachst du die Restverteidigung
Restverteidigung. Lege vor dem Spiel fest, wer absichert, zum Beispiel beide Innenverteidiger, der ballferne Außenverteidiger und die Doppelsechs. Vor jedem Angriff zählen die Absicherer die Konterspieler des Gegners und stellen einen mehr.
Schulterblick. Jeder Absicherer schaut vor jedem Pass der eigenen Mannschaft nach seinem Gegenspieler. Wandert der Ball, verschiebt die Restverteidigung ballnah, damit der Abstand zu den Stürmern klein bleibt.
Gegenpressing. Die Spieler vorne stehen so eng um den Ball, dass nach dem Verlust sofort zwei Druck auf den Ball machen. Wer hinten absichert, stellt den Passweg zu, statt sich fallen zu lassen.
Restverteidigung nach Altersklasse
In der G- bis E-Jugend fällt der Begriff nicht. Es reicht, wenn die Kinder nach einem Ballverlust sofort umschalten. In der D-Jugend wird das Umschalten nach Ballverlust zum Thema, etwa mit der Aufgabe, schnell hinter den Ball zu kommen. In der C-Jugend kommen die Grundlagen des Gegenpressings und das Herausrücken in der Viererkette dazu. Einer rückt heraus, die anderen sichern ab.
Ab der B-Jugend trainierst du die Restverteidigung als eigenes Thema, mit Zahl, Überzahl und festen Rollen. In der A-Jugend und bei den Senioren passt du sie an den Gegner und den Spielstand an. Passende Übungen findest du direkt unter dem Artikel.
Häufige Fragen
Was ist Restverteidigung im Fußball?
Restverteidigung sind die Spieler, die bei eigenem Ballbesitz hinter dem Ball bleiben. Sie sollen nach einem Ballverlust den Konter abfangen, bevor er gefährlich wird.
Was bedeutet 3+2 in der Restverteidigung?
Drei Spieler stehen in der hinteren Linie, zwei davor. Meist sind das die Innenverteidiger mit einem Außenverteidiger und davor zwei Sechser oder ein Sechser und ein Achter.
Ist Konterabsicherung dasselbe wie Restverteidigung?
Ja, beide Begriffe meinen dasselbe. Konterabsicherung betont die Aufgabe, Restverteidigung die Spieler, die sie übernehmen.
Ab welchem Alter sollte man Restverteidigung trainieren?
Gezielt ab der B-Jugend. Vorher reichen sofortiges Umschalten nach Ballverlust, hinter den Ball kommen und in der C-Jugend die Grundlagen des Gegenpressings.