Taktik erklärt

Deckungsschatten im Fußball: im Bogen anlaufen und Passwege zustellen

Aktualisiert

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Deckungsschatten ist der Raum hinter dem anlaufenden Spieler, in den kein flacher Pass kommt.
  • Wer im Bogen anläuft, hält einen Gegenspieler im Rücken und setzt trotzdem den Ballführenden unter Druck.
  • Je näher der Anläufer am Ball ist, desto breiter wird sein Schatten.
  • Mit Ball heißt die Antwort Anbieten, also raus aus dem Schatten, bis ein Passweg frei ist.

Der Deckungsschatten ist der Raum hinter einem Verteidiger, in den der Ballführende nicht flach passen kann. Steht dort ein Gegenspieler, ist er aus dem Spiel, obwohl ihn niemand deckt. Wer das beim Anlaufen nutzt, läuft im Bogen an und lenkt den Gegner nach außen.

Was ist der Deckungsschatten?

Stell dir den Ball als Lampe vor. Jeder Verteidiger wirft dann einen Schatten nach hinten, weg vom Ball. Ein flacher Pass in diesen Bereich trifft den Verteidiger oder ist für ihn leicht abzufangen.

IV6IVSTDeckungsschattennicht anspielbaranspielbar
Der Stürmer steht zwischen Ball und Sechser. Der Sechser ist im Schatten und nicht anspielbar, der zweite Innenverteidiger schon.

Der Deckungsschatten ist keine Manndeckung. Der Verteidiger steht nicht am Gegenspieler, sondern zwischen ihm und dem Ball. So bleibt er nah am Ballführenden und stellt trotzdem einen Passweg zu. Eng verwandt sind drei Begriffe. Anlaufen ist der Weg zum Ballführenden, Zustellen das Schließen eines Passwegs und Lenken das Vorgeben einer Richtung. Der Deckungsschatten ist das Werkzeug, mit dem du beim Anlaufen zustellst und lenkst. Er wirkt nur gegen flache Pässe, einen Chipball über den Anläufer verhindert er nicht.

Warum der Deckungsschatten wirkt

Ein Spieler verteidigt zwei

Der Anläufer setzt den Ballführenden unter Druck und nimmt gleichzeitig einen Passempfänger aus dem Spiel. Für den Sechser im Schatten braucht es keinen eigenen Manndecker. Dieser Spieler wird woanders frei, etwa für Überzahl am Ball. Bei enger Manndeckung bleibt der Gedeckte oft für einen Klatschpass anspielbar, weil er näher am Ball steht als sein Verteidiger. Im Schatten kommt der Pass gar nicht erst an.

Nah dran wird der Schatten breiter

Der Schatten beginnt am Körper des Anläufers und öffnet sich nach hinten wie ein Fächer. Wie breit dieser Fächer ist, hängt vom Abstand zum Ball ab. Von weit weg stellt der Anläufer nur einen schmalen Streifen zu. Nah am Ball deckt derselbe Körper einen viel größeren Winkel ab. Deshalb wirkt der Schatten erst, wenn der Anläufer wirklich Zugriff hat.

IV6STweit wegfrei IV6STnah dranim Schatten
Weit weg wirft der Stürmer einen schmalen Schatten, der Sechser bleibt frei. Nah am Ball reicht der Schatten bis zu ihm.

Im Bogen statt gerade

Läuft der Stürmer gerade auf den Ball zu, fällt sein Schatten dorthin, wo er herkommt. Oft steht dort niemand, und der Sechser neben ihm bleibt frei. Im Bogen läuft er zuerst ein Stück auf die Linie zwischen Ball und Sechser. Von dort geht er auf den Ball und hält den Sechser die ganze Zeit im Rücken. Mit demselben Bogen kann er auch den zweiten Innenverteidiger oder den Torwart abschneiden.

IV6STgeradefrei IV6STim Bogenim Schatten
Gleicher Start, anderer Weg. Gerade angelaufen fällt der Schatten ins Leere, im Bogen liegt der Sechser darin.

Der Schatten lenkt das Spiel nach außen

Wer von innen anläuft, schließt die Mitte und lässt den Weg nach außen offen. Das ist Absicht. Am Flügel begrenzt die Seitenlinie das Spiel, und deine Mannschaft kann ballnah zusammenrücken. Halten beide Stürmer je einen Passweg im Schatten, bleibt dem Innenverteidiger oft nur der Pass auf den Außenverteidiger. Manche Mannschaften lenken auch bewusst nach innen, wenn dort eine Pressingfalle mit Überzahl wartet.

Mitte zuaußen offen
Ein Stürmer hält den Sechser im Schatten, der andere den Querpass zum zweiten Innenverteidiger. Offen bleibt der Pass nach außen.

Im Spiel: so nicht, so geht's

Dieselbe Aufbausituation zweimal, der Unterschied liegt im Laufweg des Stürmers.

SO NICHTSpielrichtung6IVIVFLFL88STSTSechser frei
Der Stürmer läuft gerade an. Sein Schatten fällt ins Leere, der Innenverteidiger spielt in die Mitte, und der Sechser dreht auf.
SO GEHT'SSpielrichtung6IVIVFLFL88STSTim Schattennur nach außen
Der Stürmer läuft im Bogen an und hält den Sechser im Schatten. Der Ball muss nach außen, Flügelspieler und Achter schieben nach.

Die Situation lesen

Situation. Der gegnerische Innenverteidiger hat den Ball, sein Sechser bietet sich in der Mitte an.

Signal. Der Pass zum Innenverteidiger rollt, und der Sechser steht noch frei neben dem Stürmer.

Aktion. Der Stürmer läuft im Bogen an, erst auf die Linie zum Sechser, dann auf den Ball. Der zweite Stürmer hält den Querpass im Schatten.

Anschluss. Geht der Pass nach außen, läuft der Flügelspieler den Außenverteidiger an, und der Achter rückt ballnah nach. Spielt der Innenverteidiger zurück zum Torwart, läuft der zweite Stürmer ihn an.

Die Gegenseite: raus aus dem Deckungsschatten

Hat deine Mannschaft den Ball, musst du Schatten erkennen und auflösen. Wer im Schatten steht, bewegt sich seitlich heraus, bis eine freie Passlinie entsteht. Das ist Anbieten. Zwei Mittelfeldspieler sollten nie im selben Schatten stehen, also auf unterschiedlichen Höhen.

Auch der Ball kann den Winkel ändern. Ein kurzer Pass zu einem nahen Mitspieler, etwa zum Torwart, verschiebt den Schatten. Der Spieler, der eben noch verdeckt war, wird dann frei, oft über einen Klatschpass. Der Ballführende kann außerdem andribbeln, eine Finte zeigen oder den Ball über den Anläufer chippen.

Für die verteidigende Mannschaft hat der Schatten Grenzen. Läuft der Stürmer allein an und niemand schiebt nach, öffnen sich die Passwege woanders. Mit jedem Pass wandert der Schatten, und der Anläufer muss sich neu ausrichten. Wer nur auf den Ball schaut, weiß nicht, wen er im Rücken hat.

So coachst du den Deckungsschatten

Schulterblick. Der Stürmer schaut vor dem Anlaufen, wo der Sechser steht. Nur dann weiß er, welchen Passweg er im Rücken halten muss.

Druck auf den Ball. Er läuft im Bogen an und zieht erst auf der Linie zum Sechser das Tempo an. Wer blind lossprintet, erzwingt zwar einen schnellen Pass, lenkt ihn aber nicht.

Ballnah verschieben. Geht der Ball nach außen, rücken Flügelspieler und Achter zur Ballseite. Der Schatten bringt nur etwas, wenn die anderen den nächsten Pass zustellen.

Deckungsschatten nach Altersklasse

Von der G- bis zur E-Jugend fällt der Begriff nicht. In der E-Jugend lernen die Kinder mit Ball das Anbieten, also so zu stehen, dass ein Pass möglich ist. In der D-Jugend gilt gegen den Ball Druck auf den Ball, die anderen verschieben ballnah. Ab der C-Jugend führst du den Begriff ein, etwa im Rondo, in dem der Fänger im Bogen anläuft. Ab der B-Jugend wird das Anlaufen im Bogen zur Mannschaftsaufgabe, gekoppelt an Pressinghöhe, Auslöser und Lenken nach außen. In der A-Jugend und bei den Senioren bekommen beide Stürmer feste Aufgaben, wer welchen Passweg im Schatten hält. Passende Übungen findest du direkt unter dem Artikel.

Häufige Fragen

Was ist ein Deckungsschatten im Fußball?

Der Raum hinter einem Verteidiger, in den der Ballführende nicht flach passen kann. Wer dort steht, ist nicht anspielbar, obwohl ihn niemand direkt deckt.

Was bedeutet im Bogen anlaufen?

Der Anläufer läuft nicht gerade auf den Ball, sondern zuerst auf die Linie zwischen Ball und dem Gegenspieler, den er ausschalten will. So bleibt dieser in seinem Rücken, während er Druck auf den Ball macht.

Wie kommt man aus dem Deckungsschatten heraus?

Durch Anbieten, also seitlich heraus, bis eine freie Passlinie da ist. Dazu helfen unterschiedliche Höhen im Mittelfeld, kurze Pässe, die den Winkel ändern, und Klatschpässe.

Ab welchem Alter trainiert man den Deckungsschatten?

Den Begriff führst du ab der C-Jugend ein. Gezielt als Pressingaufgabe trainierst du ihn ab der B-Jugend. Vorher reichen zwei Dinge, mit Ball das Anbieten und gegen den Ball der Druck auf den Ball.

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