Taktik erklärt

Spielanalyse im Amateurverein: so analysierst du eigene Spiele

Aktualisiert

Das Wichtigste in Kürze

  • Leg vor dem Anpfiff ein bis zwei Beobachtungsfragen fest und notiere im Spiel nur Minute und Kürzel.
  • Das Raster aus vier Spielphasen zeigt dir, wo ein Gegentor beginnt, oft eine Phase vor dem Abschluss.
  • Für die Besprechung reichen drei bis fünf Szenen in zehn bis fünfzehn Minuten, gelungene wie misslungene.
  • Jede Besprechung endet mit einer Aufgabe fürs Training, die du im nächsten Spiel wieder beobachtest.

Eigene Spiele analysierst du am besten mit einem festen Raster und wenigen Fragen. Du legst vor dem Anpfiff ein bis zwei Beobachtungspunkte fest, notierst Spielminuten und wählst danach wenige Szenen aus. Aus jeder Besprechung folgt eine Aufgabe fürs Training. Eine Kamera hilft dabei, nötig ist sie nicht.

Warum du eigene Spiele analysieren solltest

Spielanalyse im Amateurverein heißt: Du beobachtest dein eigenes Spiel nach einem festen Raster, erkennst wiederkehrende Muster und leitest daraus Inhalte fürs Training ab.

Nach dem Abpfiff bleibt meist ein Gefühl hängen, etwa dass die Abstände zu groß waren oder hinten wenig zusammenpasste. Mit so einem Eindruck kannst du im Training wenig anfangen. Eine Analyse macht daraus eine Beobachtung, die du benennen und üben kannst.

Dafür brauchst du kein Videoteam. Ein Notizblock und ein klarer Blick auf eine Phase reichen für den Anfang. Wer zusätzlich filmt, kann den Spielern ihr Verhalten zeigen, statt es nur zu erklären. Das überzeugt oft mehr als die Taktiktafel. Über mehrere Wochen siehst du außerdem, ob sich etwas verändert.

Das Raster aus vier Spielphasen

Ein Spiel lässt sich in vier Phasen teilen. Sie heißen eigener Ballbesitz, Umschalten nach Ballverlust, gegen den Ball und Umschalten nach Ballgewinn. Dazu kommen die Standards als eigener Bereich. Jede Szene, die du dir notierst, gehört in eine dieser Schubladen.

BallbesitzUmschaltennach BallverlustGegen den BallUmschaltennach BallgewinnStandards
Die vier Spielphasen folgen im Kreis aufeinander. In den beiden Umschaltmomenten ist die Ordnung beider Mannschaften für Sekunden gestört.

Das Raster hilft dir zweimal. Du beobachtest gezielter, weil du weißt, worauf du in welcher Phase achtest. Und du findest die Ursache eines Gegentors oft eine Phase früher, als es fällt. Ein Konter des Gegners beginnt bei deinem eigenen Ballverlust.

So gehst du vor

Vorher festlegen, worauf du achtest

Wer alles gleichzeitig beobachten will, sieht am Ende wenig. Such dir vor dem Anpfiff ein oder zwei Fragen aus, höchstens zwei pro Halbzeit. Nimm sie aus dem Thema, das ihr gerade trainiert. Habt ihr drei Wochen am Anlaufen gearbeitet, schaust du genau darauf.

Schreib die Fragen oben auf deinen Zettel. Darunter legst du ein paar Kürzel fest, etwa für Ballverlust im Zentrum, ausgelöstes Pressing oder zugelassenen Konter. Im Spiel notierst du dann nur noch Minute und Kürzel.

Während des Spiels notieren

Ein ganzer Satz kostet zu viel Zeit, und du verpasst die nächste Szene. Schau bewusst auch vom Ball weg. Die wichtigen Bewegungen passieren oft dort, wo der Ball gerade nicht ist. Wie verschiebt die Kette, und wer sichert hinten ab?

Wenn du filmst, stell die Kamera möglichst hoch und mittig an die Mittellinie. Zoom wenig, damit mehrere Anspielstationen und Feldlinien im Bild bleiben. Filmen kann ein verletzter Spieler oder jemand, der nicht im Kader steht. Kläre vorher, dass alle Gefilmten einverstanden sind, bei Jugendlichen auch die Eltern.

Danach Szenen auswählen

Lass das Spiel eine Nacht liegen. Direkt nach dem Abpfiff bewertest du alles mit dem Ergebnis im Kopf. Geh am nächsten Tag deine Notizen durch und such nach Mustern. Eine Szene, die dreimal ähnlich abläuft, sagt mehr als ein einzelner spektakulärer Fehler.

Wähl für die Besprechung drei bis fünf Szenen aus. Nimm gelungene und misslungene, möglichst aus derselben Phase. Dann sieht die Mannschaft den Unterschied direkt nebeneinander. Frag bei jeder Szene, wie die Lage entstanden ist. Ob am Ende ein Tor fiel, ist zweitrangig.

Die Besprechung

Halte die Besprechung kurz, zehn bis fünfzehn Minuten reichen meist. Mach sie in den Tagen nach dem Spiel, solange die Eindrücke frisch sind. Zeig eine Szene, halte an der entscheidenden Stelle an und frag zuerst die Spieler. Was siehst du? Wo hättest du hingemusst? Oft wissen sie es selbst.

Sprich über Abläufe und Abstände statt über Schuld. Ein Fehler hat meist eine Ursache in der Staffelung davor. Wer den Ball verliert, wurde oft in einer schlechten Lage angespielt. Fang mit einer gelungenen Szene an und hör mit einer gelungenen auf.

Ableitung fürs Training

Jede Besprechung endet mit einer Aufgabe. Wähl ein Thema aus und bau es in die nächsten Einheiten ein, am besten in eine Spielform mit Gegnerdruck. Im nächsten Spiel beobachtest du genau diese Frage wieder. So prüfst du, ob das Training im Spiel ankommt.

Fragenkatalog je Phase

Nimm dir pro Spiel eine oder zwei dieser Fragen vor.

Fragen für dein nächstes Spiel

Ballbesitz. Bauen wir über eine Seite auf oder über beide? Wie viele von uns sind anspielbar, wenn der Gegner anläuft? Lässt sich der Sechser fallen? Wohin lenkt uns der Gegner?

Umschalten nach Ballverlust. Wer geht als Erster drauf? Wie viele sichern hinten ab, wenn wir den Ball verlieren? Fallen wir geordnet zurück, wenn der erste Zugriff nicht klappt?

Gegen den Ball. Auf welcher Höhe laufen wir an? Welches Signal startet unser Pressing, etwa ein Rückpass oder eine schlechte Ballannahme? Rücken die anderen nach, oder läuft einer allein?

Umschalten nach Ballgewinn. Geht der erste Pass nach vorn? Wie viele starten in die Tiefe?

Standards. Verteidigen wir Ecken im Raum oder Mann gegen Mann? Wer steht wo? Führen wir Einwürfe schnell aus?

Beispiel: ein Tor in vier Bildern

Die Szene ist erfunden, solche Gegentore sieht man im Amateurfußball aber oft. Unsere Mannschaft verteidigt das Tor unten. Die Analyse geht vom Abschluss zurück zum Ursprung.

TWIVIVAVAV6881Ballverlust im Zentrum TWIVIVAVAV6882Niemand geht drauf TWIVIVAVAV6883Pass in die Lücke TWIVIVAVAV6884Abschluss frei
Erfundenes Beispiel in vier Bildern. Eigene Spieler hell, Gegner grau, eigenes Tor unten.

Bild 1. Der rechte Innenverteidiger spielt flach ins Zentrum. Der Sechser nimmt mit dem Rücken zum Spiel an, ein Gegner läuft ihn von hinten an und erobert den Ball. Beide Außenverteidiger stehen in diesem Moment hoch.

Bild 2. Der Gegner dreht auf. Im markierten Kreis um den Ball steht keiner von uns. Die Achter sind gut 15 Meter entfernt, der Sechser ist überspielt. Der gegnerische Flügelspieler startet hinter unseren linken Außenverteidiger.

Bild 3. Der Pass geht in die Lücke zwischen linkem Innenverteidiger und Seitenlinie. Der Außenverteidiger läuft hinterher, der gegnerische Stürmer startet in den Strafraum.

Bild 4. Der Flügelspieler geht bis kurz vor die Grundlinie und legt zurück. Der linke Innenverteidiger kommt zu spät, der rechte steht zu weit weg. Der Stürmer schießt frei ein.

Das Tor fällt in Bild 4, die Ursache liegt in Bild 1. Als der Ball im Zentrum verloren geht, sichern nur die beiden Innenverteidiger. Der Sechser wird mit einem Gegner im Rücken angespielt. Das liegt an der Staffelung der ganzen Mannschaft. Den Sechser allein verantwortlich zu machen, greift zu kurz.

Fürs Training folgen daraus zwei Punkte. Im Aufbau bleibt ein Außenverteidiger tiefer, wenn der andere aufrückt. Nach einem Ballverlust geht der nächste Spieler sofort drauf, die anderen rücken ballnah nach. Deine Frage fürs nächste Spiel lautet dann, wie viele von uns bei Ballverlust hinten sichern.

Videobesprechung nach Altersklasse

Wie viel Video sinnvoll ist, hängt vom Alter ab. Bei Kindern geht es um Technik und Spielfreude, bei Jugendlichen um das Zusammenspiel kleiner Gruppen, bei Erwachsenen um die ganze Mannschaft. Die Richtwerte unten sind unsere Einschätzung. Eine Vorgabe der Verbände zu Szenenzahl oder Dauer haben wir nicht gefunden.

G- bis E-Jugend. Hier gibt es keine Videobesprechung von Spielszenen. Kinder lernen in diesem Alter über das Spielen selbst. Nach dem Spiel reichen zwei Fragen in der Runde, was Spaß gemacht hat und was gut geklappt hat. Wenn du filmst, dann höchstens kurze Technikaufnahmen.

D-Jugend. Setz Video sparsam ein, mit ein bis zwei kurzen Szenen. Zeig eher Gelungenes, etwa ein sauberes Dreieck oder ein gutes Anbieten. Die Besprechung dauert wenige Minuten.

C- und B-Jugend. Jetzt lohnt sich Video gezielt, mit einem Thema pro Besprechung, drei bis fünf Szenen und zehn bis fünfzehn Minuten. Du kannst Phasen und Abläufe der ganzen Mannschaft zeigen.

A-Jugend und Senioren. Video kann fester Teil der Trainingswoche werden, auch für die Vorbereitung auf den Gegner. Im Breitensport reicht oft eine kurze Szene vor dem Training. Zeig in jedem Alter mindestens so viele gelungene wie misslungene Szenen.

Typische Fehler

Der häufigste Fehler ist, alles auf einmal sehen zu wollen. Mit zehn Fragen im Kopf bleibt keine richtig hängen. Ähnlich geht es dir, wenn du nur dem Ball folgst. Dann siehst du den Ballverlust, aber nicht die Lücke, die Sekunden vorher entstanden ist.

Viele Analysen bewerten das Ergebnis statt den Ablauf. Ein Tor nach einem Abpraller kann Glück sein, ein knapp verhindertes Gegentor kann trotzdem ein Muster zeigen. Genauso wenig hilft es, Fehler an einzelnen Spielern festzumachen. Die Szene wird dann zum Vorwurf, und keiner hört mehr zu.

Bei einer Besprechung von einer Stunde schalten die meisten Spieler nach wenigen Minuten ab. Eine Analyse ohne Folgen im Training ändert am nächsten Spiel nichts, also plane die passende Übung gleich mit. Wer ohne Einwilligung filmt oder Videos frei weiterleitet, riskiert außerdem Ärger mit Spielern und Eltern.

Wie eine Analyse an echten Spielen aussieht, zeigen die Spielanalysen der Akademie. Beispiele sind das WM-Finale 2026, das Champions-League-Finale 2025 und Argentiniens 2:0 im WM-Finale 2022 in vier Bildern.

Häufige Fragen

Brauche ich für eine Spielanalyse eine Kamera?

Nein. Ein Zettel mit ein bis zwei Fragen und den Spielminuten reicht für den Anfang. Video hilft vor allem, wenn du den Spielern eine Szene zeigen willst.

Wie viele Szenen zeige ich in einer Videobesprechung?

Ab der C-Jugend sind drei bis fünf Szenen in zehn bis fünfzehn Minuten ein guter Rahmen. Nimm gelungene und misslungene, möglichst zu einem Thema.

Ab welchem Alter lohnt sich Videoanalyse mit der Mannschaft?

Sparsam ab der D-Jugend, gezielt ab der C- und B-Jugend. In der G- bis E-Jugend lernen Kinder über das Spielen, Szenenbesprechungen per Video passen dort nicht.

Darf ich Spiele meiner Jugendmannschaft filmen?

Nur mit Einwilligung der Gefilmten, bei Minderjährigen auch der Eltern. Regle vorher, wer die Aufnahmen sehen darf und wo sie gespeichert werden. Im Zweifel holst du dir über den Verein rechtlichen Rat.

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